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09.04.2020 00:00 Alter: 121 days

Predigt vom Gründonnerstag


Auf Grund der aktuellen Situation veröffentlichen wir hier die Predigten von Pfarrer Pater Dominic vom jeweiligen Sonntag. Hier die Predigt vom Palmsonntag

Gründonnerstag - 9. April 2020

Link zu den liturgischen Texten: Gründonnerstag

Liebe Pfarrfamilie, es gibt ein altes Lied, worin es heißt: „Gott bahnt den Weg“. Das Besondere an Gott ist, dass er immer voller Überraschungen steckt. Selbst in den dunkelsten Momenten scheint er immer noch einen geheimen, unvorhersehbaren Plan in der Tasche zu haben, der uns und anderen durch uns Segen bringt. Gott bahnt den Weg. Im Laufe unseres Lebens ist es wohl das erste Mal, dass wir die Heilige Woche zuhause in unseren vier Wänden feiern müssen. Heute, am Tag der Heiligen Eucharistie, möchte ich aber dennoch gerne ein paar meiner Gedanken zur Heiligen Eucharistie mit Euch teilen.

Wir wissen, dass das Wort „Eucharistie“ Danksagung bedeutet. Wenn wir den Tag der Einsetzung der Eucharistie einmal näher betrachten, dann verstehen wir, dass die Heilige Eucharistie Danksagung inmitten des Leidens bedeutet. Jesus selbst war vom Leiden umfangen. Er war sich vollkommen bewusst, dass er gefangen genommen und gekreuzigt werden würde. Er wusste, dass ihn seine Jünger verlassen würden. Er wusste, dass er innerhalb weniger Stunden schon verhaftet werden würde. In diesem Kontext von Schmerz und Leiden geschah es, dass Jesus die Heilige Eucharistie einsetzte, während er mit seinen Lieben sein letztes Abendmahl feierte. Und wir müssen uns genau anschauen, wie er dieses Sakrament feierte.

Es gibt da in der jüdischen Tradition ein bedeutendes Gebet. Der Name des Gebets lautet „Berakah“. Es ist ein Segnungs- oder Danksagungsgebet, und die Juden sprachen es besonders in schwierigen Lebenslagen. Denn sie glaubten, dass Jahwe sie in ihrer Geschichte immer wieder aus allen Nöten gerettet hatte, und so werde derselbe Jahwe sie auch aus den gegenwärtigen Schwierigkeiten befreien. Mit anderen Worten: Sie dankten Gott schon im Voraus für die Befreiung von den Schwierigkeiten, die sie zu meistern hatten. Es ist also eine Danksagung im Vorhinein. Jesus sprach das gleiche „Berakah“-Gebet, als er die Heilige Eucharistie einsetzte.

In der Heiligen Messe lesen wir: „Denn am Abend, an dem er ausgeliefert wurde und sich aus freiem Willen dem Leiden unterwarf, nahm er das Brot und sagte Dank“. Das hebräische Wort für Dank ist „Berakah“. Das bedeutet, Jesus sprach das Berakah-Gebet oder ein Danksagungsgebet. Aber, wofür dankte Jesus eigentlich? Er dankte dem Vater für das Leiden, das Ihm bevorstand. Er dankte Ihm für die Hilfe, mit der Er sich den Verfolgern ohne Furcht stellen konnte. Denn nur durch diese Feier der Heiligen Eucharistie im Abendmahlssaal war es möglich, dass Jesus sich ohne Angst und Furcht dem Leiden unterwerfen konnte. Die Danksagungsfeier mündete schließlich in die Auferstehung Jesu. Der Vater verherrlichte Jesus durch die Auferstehung.

Am Ende des Abendmahls sagte Er: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“. Die Jünger befolgten dieses Gebot. Daher mussten die Christenverfolger der ersten Jahrhunderte eingestehen: „Wir können sie nicht durch unsere Verfolgung vernichten.“ Warum? Weil sie gesehen hatten, dass Jesus sich durch die Feier der Heiligen Eucharistie dem Leiden stellen konnte. Und obwohl es ihnen streng verboten war, Eucharistie zu feiern, taten sie es dennoch im Geheimen, weil sie die Wichtigkeit der Feier erkannt hatten. So wurde die Eucharistie zur Quelle ihrer Kraft, aus der heraus sie allen Schwierigkeiten des Lebens entgegentreten konnten.

Im Zusammenhang mit der Pandemie glaube ich, dass der Gründonnerstag für uns heute an Bedeutung gewinnt. Viele haben in diesen Tagen Angst oder gar Panik. Aber wir haben keine Wahl, wir müssen durch diese schwierige Situation hindurch. Ich glaube, dass das beste Mittel gegen unnötige Ängste und Furcht immer noch die Heilige Eucharistie ist. Denn das ist es, was Jesus selbst uns gelehrt hat.

Und wenn wir auch zuhause bleiben müssen, so können wir dieses Fest doch würdevoll begehen, zum Beispiel, indem wir die Gottesdienste über die Medien verfolgen und auch wirklich mitfeiern. Am Gründonnerstag wollen wir nicht vergessen, dass Eucharistie Danksagung inmitten des Leidens bedeutet. Wir Priester werden die Gottesdienste an den Kartagen privat in den jeweiligen Kirchen feiern. Aber wir werden Euch im Geiste mit in unsre Feiern hineinnehmen und besonders an Euch denken, wenn wir die Heilige Eucharistie feiern. So werden wir miteinander in unseren Gebeten verbunden bleiben. Möge der gekreuzigte Herr Euch alle segnen und Euch helfen, mit dieser schwierigen Situation fertig zu werden. Amen

Hier sind die Gottesdienste während der Kartage, die wir Priester alleine in unseren Pfarre feiern werden: Gründonnerstag 19.00 Uhr Karfreitag 15.00 Uhr Karsamstag - Osternacht 19.00 Uhr Ostersonntag: MI 08.30 Uhr, KI 09.30 Uhr, HAN 9.45 Uhr

Lg P Dominic