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02.05.2020 00:00 Alter: 69 days

Predigt vom 4. Sonntag der Osterzeit


Auf Grund der aktuellen Situation veröffentlichen wir hier die Predigten von Pfarrer Pater Dominic vom jeweiligen Sonntag. Hier die Predigt vom Pal

4. Sonntag der Osterzeit - 3. Mai 2020
Sonntag vom guten Hirten

Link zu den liturgischen Texten: 4. Sonntag der Osterzeit

Der vierte Sonntag der Osterzeit wird traditionell „Sonntag des Guten Hirten” genannt. Dabei bezieht sich der Titel „Hirte“ in erster Linie auf Gott, der sein Volk hütet. Dies wird deutlich in Psalm 23: „Der Herr ist mein Hirte“. Das Bild von Gott, dem Vater, als liebender Elternteil wird von Jesus fortgesetzt und durchzieht seine Frohe Botschaft wie ein roter Faden.

Einmal wurde einem Jungen, der die Schule besuchte, aufgegeben, er solle binnen eines Monats den Psalm 23 auswendig lernen. Diesen sollte er dann auf einer Schulveranstaltung vortragen, bei der alle Schülerinnen und Schüler sowie die Eltern anwesend sein würden. Am besagten Tag ging er nach vorne und begann: „Der Herr ist mein Hirte…“, doch dann war sein Gehirn plötzlich wie leergefegt und er hatte den Faden verloren. Die Leute warteten, während er fieberhaft versuchte, sich an die nächste Zeile des Psalms zu erinnern. Noch einmal setzte er an: „Der Herr ist mein Hirte…“. Wieder stockte er, doch plötzlich sagte er entschlossen: „Und das ist alles, was ich wissen muss!“ Im Saal herrschte Stille. Doch plötzlich fing jemand an zu klatschen, und nach und nach fielen alle anderen in den Applaus ein, denn das Kind hatte ja Recht gehabt! Der Herr ist unser Hirte, und das ist alles, was wir wissen müssen.

Es gibt Zeiten in unserem Leben, da haben wir das Gefühl, wir bräuchten wirklich so einen guten Hirten. Wir denken, dass sich niemand für uns interessiert, dass niemand sich um uns kümmert. Doch in solchen Momenten haben wir die Gewissheit, dass wir uns Jesus zuwenden dürfen, unserem Guten Hirten. Ihm sind wir nicht lästig, er wird uns nicht zurückweisen. Vielmehr findet er uns besonders liebenswert und ansprechend. Jesus liebt uns so, wie wir sind. Er wird uns führen, über uns wachen, uns schützen und uns den Weg weisen. Er ist unser Hirte. Er kennt uns gut. „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts fehlen“. Aber wir haben dabei auch eine Rolle zu übernehmen:
Es liegt an uns, die Stimme unseres Hirten kennenzulernen. Das erfordert eine gewisse Übung. Diese Übung besteht darin, täglich eine Zeit im Gebet zu verbringen und in Stille aus freien Stücken auf die Stimme Jesu zu hören und ihren Klang immer besser zu erkennen. Denn wie sonst könnten wir uns in die liebevolle Fürsorge eines anderen begeben, wenn wir nicht auf dessen Stimme hören? Die Stimme Jesu steht uns immer zur Verfügung, sie spricht immer zu uns. Aber die Frage ist: Erkennen wir sie auch, wenn wir sie hören? Und hören wir ihr überhaupt zu?

Nehmen wir uns ein bisschen Zeit und setzen uns einfach mal hin und lauschen. Sitzt ruhig da und horcht einmal auf die Stimme unseres Hirten, auf die Stimme Jesu, des Guten Hirten. Nehmen wir uns das für diese Woche vor und üben wir es.

Jeder, der mit der Sorge für andere betraut ist, ist ein Hirte. Somit sind Priester, Eltern, Lehrer, Ärzte, Kranken schwestern, Staatsdiener und Politiker alle Hirten. Zu guten Hirten werden wir allerdings erst, wenn wir jene, die uns anvertraut sind, lieben. Wenn wir für sie beten, ihnen unsere Zeit widmen, wenn wir unsere Talente, unsere Gesundheit und unseren Wohlstand für ihr Wohlergehen einbringen und wenn wir sie schützen vor physischen und spirituellen Gefahren.

Eltern müssen besonders sorgsam mit ihrer Verantwortung als Hirten umgehen, denn sie sind Rollenvorbilder für ihre Kinder, indem sie ein beispielhaftes Leben führen. Es gibt da eine schöne Textbotschaft, die, wie ich denke, eine gute Gedankenstütze für uns werden kann: „Seien wir sanft mit der Jugend, mitfühlend mit den Alten, anteilnehmend mit den Gestrauchelten, geduldig mit den Schwachen, vergebend mit den Sündern, denn irgendwann im Leben waren wir oder werden wir einer von all diesen sein.“

Heute ist auch der Weltgebetstag für geistliche Berufe. Bitten wir Gott, dass er mehr Männer und Frauen als Arbeiter und Arbeiterinnen in seinen Weinberg senden möge.

Lg
P Dominic