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23.01.2021 13:20 Alter: 114 days

Predigt - 3. Sonntag im Jahreskreis - Mk 1,14-20


Ein Freund von Abraham Lincoln versuchte eines Tages, den Präsidenten wegen seiner zahlreichen Probleme zu trösten, und sagte: „Ich hoffe, dass der Herr auf Deiner Seite steht!“ Lincoln antwortete freundlich, aber bestimmt, dass er diese Hoffnung nicht hege. Jeder wunderte sich. Er fuhr fort: „Ich habe daran überhaupt kein Interesse, weil wir alle ja wissen, dass der Herr stets auf der richtigen Seite steht. Aber es ist meine ständige Angst und mein ständiges Gebet, dass ich und diese gesamte Nation auf der Seite des Herrn sein mögen.“ Ja, wenn wir auf der Seite des Herrn und seines Königreiches stehen, nutzen wir die zahllosen Gaben, die er jedem einzelnen von uns geschenkt hat, um sein Königreich voranzubringen.

Wir Christen müssten eigentlich die glücklichsten Menschen auf Erden sein. Wir wissen, warum wir hier sind, wir wissen, wo wir einst hingehen und wir wissen, wie wir dorthin gelangen können. Sicher, es gibt Hindernisse und Anfechtungen auf unserem Weg. Manchmal ist der Weg steinig und unsere menschliche Natur ist schwach und bringt uns oft vom rechten Weg ab, aber wir sind niemals alleingelassen mit unseren menschlichen Ressourcen, sondern wir haben die Hilfe von Oben, die uns auf unserer Reise stärkt und begleitet.

Das Evangelium heute lädt uns ein, ein Teil des himmlischen Königreichs zu sein. Jesus treibt uns nie an um unser selbst willen. Er beruft uns vielmehr dazu, für andere da zu sein. Er beruft uns, für die Welt da zu sein. Die christliche Berufung birgt stets eine Menge Verantwortung. Wir sind nicht von Jesus dazu berufen, mit ihm eine Kuschelbeziehung zu führen. Vielmehr treibt er uns voran in dem Sinn, dass wir eine Mission in der Welt zu erfüllen haben. Wir sind berufen, jemand zu sein und etwas zu tun! Besonders in den Zeiten der Pandemie können wir so viel bewirken. Wir können die Menschen
um uns herum begleiten und trösten. Oft genügt schon ein Anruf oder eine WhatsApp-Nachricht übers Handy und bringt die notwendige Hilfe.

Ein Tiefseetaucher lebt im Meer, aber er atmet an der Luft. Gleichermaßen sollten wir Gläubigen in der Welt leben, aber im Geiste Christi wandeln. Wir sollen voll in die Welt und in die Gesellschaft eintauchen, aber unsere treibende Kraft soll dabei ausschließlich der göttliche Geist sein, der uns spirituell am Leben hält. In dieser schwierigen Zeit der Pandemie wollen wir uns aufs Neue entscheiden, nahe bei Gott zu sein, um genährt, geführt und erleuchtet zu werden durch das Licht des Wortes Gottes, das wir in alle Aktivitäten und Pflichten einbinden, die Gott uns in dieser Welt anvertraut hat: Familiäre Pflichten, Pflichten zum Gemeinwohl, auf der Arbeit oder in der Schule, in der Gemeinde, in der Gesellschaft und in der Welt. Je mehr wir diese Beziehung leben, desto mehr beginnt Gott, durch uns zu leuchten, und genau das ist der Weg, wie wir Gott unseren Mitmenschen glaubwürdig und authentisch nahebringen können. Nicht durch gesprochene Worte, sondern zuerst durch die Art und Weise, wie wir selbst unsere Gottesbeziehung leben. Amen.

Lg
P. Dominic